Gustav Thöni zählt heute zu den bekanntesten und erfolgreichsten Spitzensportlern von Italien

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60. Geburtstag von Gustav Thöni

Er ist ein so bescheidener Mensch, dieser Gustav Thöni, dass man sich im Gespräch mit ihm seine Erfolge immer wieder kurz in Erinnerung rufen muss: Olympiasieger, vierfacher Weltmeister und vierfacher Gesamtweltcupsieger – einer der erfolgreichsten Skifahrer aller Zeiten. Nun sitzt er da, auf der Sonnenterrasse seines Hotel Bella Vista in Trafoi am Fuße des Stilfserjochs, trägt ein helles Hemd und eine gestrickte Weste und sagt: „Ich wollte immer nur Skifahren.“

Gustav Thöni ist in diesem Februar 60 geworden, und es ist vermutlich kein Zufall, dass der Sessellift in Trafoi genauso alt ist. Thöni ist hineingewachsen in jene Zeit, als der Skitourismus in den Alpen in Schwung kam. Auch Thönis Eltern betrieben in den 1950er Jahren eine Pension und einen einfachen Bügelschlepplift auf der Wiese hinter dem Hotel Bella Vista, das im Gegensatz zu vielen anderen Hotels mit diesem Namen tatsächlich eine fantastische Aussicht bietet. Die Sonne glitzert auf den Ortler, die drei Madatsch-Spitzen, den Trafoier- und den Madatsch-Gletscher. In dieser fantastischen Kulisse hat der kleine, gerade mal drei Jahre alte Gustav 1954 seine ersten Versuche auf Skiern gestartet. „In der Früh musste man erst den Motor des Lifts ankurbeln“, erinnert sich Thöni heute, und wenn er davon erzählt, wie er mit dem Skifahren begonnen hat, dann klingt das kaum vorstellbar. Skikurs? „Nein, ich habe eigentlich nie einen gemacht.“ Stangentraining? „Mein Cousin und ich mussten hier oben ja alles selber machen. Die Tore haben wir neben der Piste aufgestellt und den Schnee haben wir platt getreten.“ Nationalmannschaft? „Die hat oben am Stilfserjoch trainiert und da habe ich mir ein bisschen was abgschaut.“ Und als sie Gustav Thöni dann bei ihrem Abschlussrennen mitmachen haben lassen, hat der junge unbekannte Bursche auch noch gewonnen.

Skifahrer Gustav Thöni

Revolutionäre Umsteigetechnik – Ausnahmetalent Gustav Thöni in jungen Jahren (c) Südtirol Marketing/Alex Filz

So langsam wurde klar, was für ein Ausnahmetalent da heranwuchs. Im März 1969 bekam es dann die ganze Skiwelt zu sehen. Die Weltcupsaison war bereits vorbei und im französischen Val d’Isère fand noch ein sogenanntes Alpencuprennen statt. „Ich hatte die Nummer 20, das weiß ich noch genau“, erinnert sich Thöni – und natürlich auch daran, dass er mit über einer Sekunde Vorsprung gewonnen hat und die ganze internationale Konkurrenz deklassierte. Von da an ging es nur noch nach oben: 1970 gewann er das erste Weltcuprennen, 1971 den Gesamtweltcup, 1972 wurde er Doppelweltmeister und in Sapporo Olympiasieger. 1973 und 1975 holte er sich wiederum den Gesamtweltcup und 1974 und 1976 nochmals drei WM-Gold- und eine Silbermedaille. Mit 29 Jahren hatte er alles erreicht und beendete seine aktive Karriere. All das erzählt Thöni ganz still und ruhig, völlig frei von Stolz und Allüren, als wir durch eine Art „Walk of Fame“ im Hotel gehen, einen Gang voller Pokale und Trophäen, Fotos und Zeitungsausschnitte, Skier und Rennanzüge.

Ein Grund für Thönis Erfolge war die neu entwickelte, damals revolutionäre Umsteigetechnik. „Das war so eine Art Skatingtechnik, bei der man die Beine unabhängig vom Körper bewegte“, erklärt Thöni und demonstriert noch einmal den eigenwilligen Bewegungsablauf: Er platziert die Beine hüftbreit, geht leicht in die Hocke und hebt dann das rechte Bein an wie eine Heuschrecke. „Das habe ich eher so instinktiv gemacht, vielleicht auch weil die Ski damals nicht so gut drehten“, sagt er und lächelt. Jedenfalls konnte er auf diese Weise die Tore besonders hoch, und die Kurven besonders eng fahren. Und besonders schnell.

Thöni Ski Südtirol

Thönis Auszeichnungen schmücken die Gänge im Hotel Bella Vista (c) Südtirol Marketing/Alex Filz

Nach seiner aktiven Laufbahn blieb Thöni als Trainer dem italienischen Skiverband erhalten. Er trainierte die Nachwuchsmannschaft, und als er bei einem Rennen am Tonalepass einen jungen Burschen sah, der zwei Slalomtore fuhr, zwei ausließ, zwei erwischte und wieder rausfiel, da fragte Thöni: „Wer ist das? Der gefällt mir! Die paar Tore, die er erwischt hat, waren besser als alles, was die Konkurrenz geboten hat.“ Der junge Bursche hieß Alberto Tomba und von 1989 bis 1996 war Gustav Thöni dann sein persönlicher Trainer. Tomba wurde in dieser Zeit Weltmeister und Olympiasieger. Während all der Jahre als Gustav Thöni erst als Profiskifahrer und dann als Trainer durch die Welt reiste, war die Heimat in Trafoi immer Bezugspunkt und Ruhepol für ihn. Hier konnte er abschalten und das Dasein als Skistar, den ganzen Trubel, die Fernsehsender und Sponsoren hinter sich lassen. „Das war mir sowieso immer zu viel“, sagt er. Deswegen genießt Thöni seit den Olympischen Winterspielen in Turin seinen Ruhestand in Trafoi. Dort packt er im Hotel mit an und geht regelmäßig mit Gästen Skifahren. Und dann sind da noch die Enkelkinder. Der Jüngste hat letzten Winter, als Thöni ihn mit auf die Piste nahm, gesagt: „Opa, nimm die Stangen mit!“ Wer weiß, vielleicht ist Gustav Thöni ja doch bald wieder als Trainer aktiv?

Video Gustav Thöni

 

Bilder Gustav Thöni

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Gustav Thöni - der Trafoier Gustav Thöni war in den 70'er Jahren einer der erfolgreichsten SKI-Rennläufer Weltweit! Er gewann vier Mal den Gesamtweltcup, 24 Weltcuprennen, wurde vier Mal Weltmeister und gewann bei drei Olympia Medaillen! Nach seiner Karriere wurde Gustav Trainer von Alberto Tomba und Cheftrainer der ital. Nationalmannschaft.

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