Messner Mountain Museum – eine Idee – fünf Häuser

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15 Jahre Messner Mountain Museum

Es ist vollbracht. A m 2. Juli hat auf Schloss Bruneck das Ripa eröffnet, Reinhold Messners fünftes Bergmuseum, das sich dem Thema „Bergvölker“ widmet. Und nach dem es das letzte Messner Mountain Museum (MMM) i st, war die Eröffnung für Reinhold Messner ein Gipfelsieg der ganz besonderen Art. Zurückblickend sagt er nun: „Ich habe für das MMM-Museumsprojekt genauso lange gebraucht wie für die Besteigung aller Achttausender: 15 Jahre. Aber ich habe mich mehr geärgert als bei den Achttausendern.“

Reinhold Messer sitzt im Innenhof des Museums, hat gute Laune und sieht aus wie man ihn kennt: Das gestreifte Hemd, der tibetische Talismann um den Hals, die gestikulierenden Hände, die Bestimmtheit in den Augen. Gelegentlich verweht ihm der Wind die Haarmähne, dann fährt er mit der rechten Hand einmal über die Schläfe ans Ohr. „Das ganze Museumsprojekt hat vor langer Zeit mit dem Kletterhammer von Paul Preuß begonnen“, beginnt Messner zu erzählen. Den Hammer habe ihm eine Jugendfreundin dieses großen Kletterers gegeben. „Mit diesem Hammer habe ich damals auch die Verpflichtung übernommen, mit ihm etwas zu machen, ihn öffentlich auszustellen. “ So reifte ganz langsam die MMM-Idee heran. Doch erst als er vor 15 Jahren i n Sulden das sogenannte Flohhäusl erwerben konnte, ist Messner der Preuß- Hammer wieder in den Sinn gekommen. Er stellte den Hammer und einige andere alpine Kuriositäten auf diesen wenigen Quadratmetern aus. Und so war dieses kleine Flohhäusl mitten in Sulden direkt unter den Gletschern des Ortlers, vor 15 Jahren das allererste MMM-Museum. Heute ist das Alpine Curiosa neben den fünf großen Museen ein wenig in Vergessenheit geraten, aber zweifellos noch immer einen Besuch wert. „Hier wird eine andere Geschichte des Alpinismus erzählt: Sie folgt dem Riss, der zwischen Idee und Tat der besten Bergsteiger klafft“, steht nicht ohne Ironie an der Wand geschrieben. Daneben sind der Hammer, eine Seilfaser des Matterhorn Erstbesteigers und der „Gipshax “ von Reinhold Messner zu bewundern.

Reinhold Messner MMM

Reinhold Messner teilt die Welt der Berge in seinen Museen in fünf große Themen ein (c) Südtirol Marketing/Alex Filz

Doch das Projekt MMM nahm schon bald viel größere Ausmaße an. Juval, das Schloss im Vinschgau, auf dem Messner den Sommer über wohnt, wurde bald eine Art „Versuchsmuseum“. Messner bekam die Möglichkeit, auf Schloss Sigmundskron (Firmian) und dem Gipfel des Monte Rite (Dolomites) Museen einzurichten (der Monte Rite liegt allerdings bei Cortina d’Ampezzo, nicht in Südtirol). Und trotz aller bürokratischer Hürden hat er bald entschieden, dass das Projekt MMM fünf Museen umfassen soll. „Die Welt der Berge besteht aus fünf großen Themen. Das ganze ist ein Mosaik, bei dem jeder Stein auch für sich alleine funktioniert“, erklärt Messner und für einen Moment müssen wir das Gespräch unterbrechen, weil eine Besuchergruppe ihn erkannt hat und ein kleiner Junge nun ein Autogramm will. „Jede Expedition braucht eine klare Zielsetzung, eine Idee und einen Stil“, sagt Messner dann, und das hätte sich auch auf das MMM-Projekt übertragen lassen. Wie bei seinen Bergbesteigungen war er auch bei den Museen immer wieder mit neuen Voraussetzungen konfrontiert. „Jedes Museum ist anders“, erzählt er und man musste sich jeweils an das Gebäude anpassen. „So war es auch in Bruneck. Ich kann ja auch nicht sagen, den Everestgipfel sprenge ich weg, weil ich nicht hinaufkomme.“
Schloss Bruneck im Pustertal – ein mittelalterliches Gebäude mit dicken Mauern – liegt hoch über den Dächern der Stadt. Durch ein massives Tor gelangt man in den Innenhof und dann durch eine moderne Glasfront in die Ausstellung. „Ripa“ ist tibetisch und heißt „Bergmensch“ und damit ist das Thema in Bruneck klar vorgegeben: „Im Ripa geht es um die Berge als eine 8.000 Jahre alte Kulturlandschaft, um alpine Alltagskultur und um Tourismus in den Bergen“, erläutert Messner. Die Ausstellung beginnt im Erdgeschoss mit Nomadenzelten, den Bergkulturen in Afrika, Asien, Südamerika und Europa und führt dann im ersten und zweiten Stock mit Exponaten aus dem Alltag der Sherpas und Indios, Tibeter und Walser, Mongolen und Hunza durch die verschiedenen alpinen Kulturen der Welt. Aber das Ripa hat noch eine zweite, interaktive Ebene. „In den nächsten 20 Jahren“, erklärt Messner, werden wir 20 Bergvölker aus der ganzen Welt nach Bruneck einladen.“ Dadurch soll ein bislang nicht da gewesener Austausch zwischen den Bergvölkern der Welt möglich werden. Nicht zuletzt auch wegen dieses Aspekts sagt Messner nun: „Nach dem Firmian ist mir das Ripa das wichtigste Museum.“

MMM Ripa

MMM Ripa: Einblick in die Allttagskultur der Bergvölker der Welt (c) Südtirol Marketing/Alex Fil

Ein besonderes Erlebnis ist am Ende der Turm, in dem sich Gemälde und Aussagen dem Tourismus widmen. „Tourismus machen wir hier in Südtirol ja ganz gut“, räumt Messner lächelnd ein. Über eine neue Holztreppe gelangt man auf das Dach des Turmes, der höchste Punkt Brunecks, und sieht dann vom Museum ins echte Leben. „Wie auch bei meinen anderen Museen können Besucher die lebendige Seite des Themas draußen in der Landschaft sehen. Im Ortles in Sulden sieht man draußen das Eis des Ortler-Gletschers, im Dolomites den Fels der Berge – im Ripa die Bergbauernhöfe im Pustertal.“ Und wenn man sich dann um 180 Grad dreht, dann erblickt man – eine letzte und gute Pointe des großen Museumsprojekts MMM – die Skilifte des Kronplatzes.

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Bilder Messner Mountain Museum

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Messner Mountain Museum - MMM Firmian, MMM Juval, MMM Dolomites, MMM Ortles und MMM Bergvölker - so nennen sich die fünf Museen, die dem Projekt von Reinhold Messner angehören. Der Extrembergsteiger wollte ein Berg-Museum schaffen, das einmalig ist. Und das ist ihm gelungen! Das Zentrum stellt das Museum in Schloss Sigmundskron dar. Im MMM Firmian befindet sich jedoch nicht nur Verwaltung und Organisation, auch die Ideenwerkstatt und das Herzstück für Veranstaltungen finden hier ihren Platz. Der Fokus in diesem Museum liegt auf den Bergen in der Kunst und der Geschichte der Bergbesteigung. Der sogenannte “Weiße Turm” ist darüber hinaus der Geschichte des Landes Südtirol gewidmet.

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